Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit Helmholtz-Zentrum Potsdam

Mit einer Reform des internationalen Währungssystems das Klima retten

01.07.2015

Rainer Quitzow

Prof. Dr. Rainer Quitzow

rainer [dot] quitzow [at] rifs-potsdam [dot] de

Was hat die Reform des internationalen Währungssystems mit der Rettung des Klimas zu tun? Eine ganze Menge, sagt Robert Wade, Professor für Volkswirtschaft und Entwicklung an der London School of Economics. Bei einem Gastvortrag am 15. Juni am IASS stellte er mehrere Vorschläge zur Reduzierung makroökonomischer Ungleichgewichte und zur Stärkung der Belastbarkeit des internationalen Finanzsystems vor. Seine Ideen reichen von radikalen Maßnahmen wie der Schaffung einer wirklich suprasouveränen (oder internationalen) Reservewährung bis hin zu vorsichtigen Schritten wie der Reform der Sonderziehungsrechte (SZR) - der Reservewährung des Internationalen Währungsfonds (IWF), die auf einem gewichteten Korb maßgebender Währungen (Euro, Yen, britisches Pfund und US-Dollar) basiert. Wie Carlo Jaeger, Armin Haas und Klaus Töpfer in dem IASS Working Paper Sustainability,Finance, and a Proposal from China darlegen, vertritt Zhou Xiaochuan, Gouverneur der chinesischen Volksbank, eine progressive Ausweitung der Rolle, die SZR im internationalen Währungssystem spielen. Er erklärt, eine derartige Reform würde eine stabilere internationale Finanzarchitektur liefern, die langfristige Investitionen stützen könnte, wie sie für die breit angelegte Transformation der weltweiten Energie- und Industrieinfrastruktur gebraucht werden.

Bisher waren es hauptsächlich exportorientierte Länder mit hohen Außenhandelsüberschüssen, die solche Investitionen fördern konnten. In den vergangenen Jahren wurden in China Investitionen in erneuerbare Energien in einer beispiellosen Größenordnung mobilisiert, während Einspeisevergütungen in Deutschland einen ähnlich beeindruckenden Zuwachs an Investitionen in erneuerbare Energien vorantreiben. In China gehen diese Entwicklungen Hand in Hand mit einem Finanzierungssystem, das produktive Investitionen stark begünstigt, wobei sich die Regierung einschaltet, um in Sektoren wie der Solarenergie eine langfristige, „geduldige“ Finanzierung zu bieten. Damit wurde in einer Phase des Überangebots und der niedrigen Preise das Überleben chinesischer Solarfirmen gesichert, was ihnen zusätzliche Vorteile gegenüber der ausländischen Konkurrenz verschaffte. Die Konsolidierung in diesem Sektor ging jedoch auf Kosten vieler kleinerer deutscher Modulhersteller, die, als die Krise zuschlug, keinen Zugang zu ähnlichen Finanzhilfen hatten.

Dennoch bieten die Firmen des deutschen Mittelstands, die größtenteils in privater Hand sind, ein weiteres Beispiel für ein langfristiges Investitionskonzept. Dies wird gestützt durch eine große Zahl von Hausbanken, die sich für ein dichtes Netzwerk aus exportorientierten Technologiefirmen als verlässliche Partner erweisen. Ergänzt wird diese traditionelle Finanzierungsquelle - nicht zuletzt wegen der internationalen Finanzkrise - durch Wertpapiere, die hauptsächlich an heimische Anleger gehen und häufig durch Mundpropaganda empfohlen werden. Diese Stärke Deutschlands zeigt sich vor allem in der Solarbranche, wo eine Reihe kleinerer Firmen ihre führende Position als Lieferanten von Produktionssystemen für einen konsolidierten Modulfertigungssektor halten.

Diese Beispiele zeigen, wie wichtig die Beziehung zwischen dem Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und stabilen, langfristigen Finanzierungsquellen ist. Ohne ein förderliches Finanzumfeld besteht die Gefahr, dass zu wenig Spielraum für Anpassungen bleibt und politische Strategien zur Bewältigung des Klimawandels nicht durchgehalten werden. Dieses Schicksal, so erklärt Professor Wade, ereilte den einst ambitionierten britischen Climate Change Act. Weil es nicht gelang, die erforderlichen langfristigen Investitionen in eine kohlenstoffarme Zukunft zu mobilisieren, war dieses Gesetz nicht imstande, genügend Anreize für einen kohlenstoffarmen Umbau der britischen Wirtschaft zu geben.

Offensichtlich sind die oben erwähnten Reformen der globalen Finanzarchitektur allenfalls ein Element zur Förderung umfangreicher Investitionen in ein kohlenstoffarmes Wirtschaftssystem. Unter anderem spielen Reformen der Corporate Governance und damit zusammenhängende Anreize für Geschäftsleute eine entscheidende Rolle. Zudem ist, wenn eine ambitionierte Klimapolitik fehlt, keineswegs gesagt, dass mehr langfristige Investitionen tatsächlich in eine kohlenstoffarme Zukunft fließen. Mit anderen Worten, die Reform des globalen Währungssystems allein wird das Klima nicht retten, aber sie könnte durchaus ein wichtiges und häufig übersehenes Element im globalen Kampf gegen den Klimawandel darstellen.

Photo: iStock/tzahiV

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