Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit Helmholtz-Zentrum Potsdam

Workshop: Risikowahrnehmung und Akzeptanz der Pestizid-Exposition von Menschen

20.12.2017
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Wie risikoreich ist der Einsatz von Pestiziden?
Wie risikoreich ist der Einsatz von Pestiziden?

Der weltweit wachsende Einsatz von Pestiziden, erhöhte Schadstoffkonzentrationen in der Nahrung und in der Umwelt verunsichern und besorgen viele Menschen. Eine vage Angst vor Krankheiten, vor unabsehbaren Umweltschäden verbindet sich mit dem Eindruck, machtlos vor unguten Entwicklungen zu stehen, die von anonymen Institutionen gestattet oder gar gesteuert werden. Zunehmendes Misstrauen gegenüber Behörden und staatlichen Autoritäten sind die Folge.

Tatsächlich aber sinken die Lebensrisiken der Menschen in der Europäischen Union. Den meisten wissenschaftlichen Studien zufolge leben sie so sicher wie keine Generation zuvor. Diese Tatsache ändert an der zunehmenden Skepsis nichts. Das zeigt sich besonders deutlich in der individuellen Risikoeinschätzung, wenn es um Ernährung, die Nahrungsmittelproduktion und um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geht.

Verschiedene Blickwinkel auf ein drängendes Problem

Gemeinsam organisiert vom IASS und dem wissenschaftlichen EU-Politikberatungsinstitut SAPEA  fand im Dezember 2017 ein Workshop statt, der Naturwissenschaftler, Sozial- und Risikoforscher sowie Vertreter der für Lebensmittelsicherheit zuständigen EU-Behörde und anderer staatlicher Regulierungsinstitutionen zusammen brachte. Die Fachleute tauschten ihre Forschungsergebnisse aus und legten ihre unterschiedlichen Herangehensweisen und Schlussfolgerungen am Beispiel der Risikowahrnehmung bei Pestizideinsätzen dar.

Der Anspruch der EU ist eindeutig formuliert: Die entsprechende Verordnung aus dem 2009 bestimmt, „… dass Stoffe oder Produkte, die erzeugt oder in Verkehr gebracht werden, keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch oder Tier oder keine unannehmbaren Auswirkungen auf die Umwelt haben.“ Die EU-Fachleute erläuterten die langwierigen und vielfach überprüften Vorschriften, die ein Produkt bis zur Erteilung der Marktzulassung durchlaufen muss. Sie verwiesen darauf, dass nur bei wenigen überprüften Fällen Verstöße gegen die  Vorschriften festgestellt wurden.

Vertrauen ist die Grundlage jeglicher Kommunikation – vor allem wenn es um Risiken geht

Die allgemeine Wahrnehmung ist jedoch eher, dass diese Vorschrift nicht eingehalten wird, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass hier ein nicht einlösbares Versprechen gegeben wird. Null Prozent Risiko ist nicht erreichbar, wie IASS-Direktor Ortwin Renn betonte.

Die Sozialforscherinnen und Sozialforscher erläuterten, dass die Risikowahrnehmung der Menschen wenig mit tatsächlichen Risiken zu tun haben muss. Die Wahrnehmung basiert vielmehr darauf, welchen Informationen und Informationsquellen Vertrauen geschenkt wird – und die Behörden sind es eher nicht. Ein allgemeines Gefühl der Verunsicherung ist die Folge.

Vor allem auf zwei Schlussfolgerungen konnten sich die Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer einigen:

  • Kommunikation kann nur gelingen, wenn den Informationsquellen Vertrauen entgegen gebracht wird.
  • Die vollkommene Vermeidung jeglicher Risiken ist nicht möglich; erfolgreiche Risikobewertung bedeutet immer, dass Risiken und Nutzen sorgfältig abgewogen werden.

Vertrauen in die Arbeit der staatlichen Institutionen und auch in die Erkenntnisse wissenschaftlicher Forschung ist demnach - auch auf dem umstrittenen und komplexen Feld des Einsatzes von Pestiziden - nur zurückzugewinnen, wenn offen, transparent und aus unterschiedlichen Perspektiven über die Bewertung von Risiken kommuniziert wird.

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